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Drei Möhren

22.08.2018

Leserbrief zum Kommentar von Nicole Prestle „Über’s Ziel hinausgeschossen“

Zum Kommentar von Nicole Prestle in der heutigen Augsburger Allgemeinen zum Artikel über die Aktion der Amnesty-Jugendgruppe (Petition Umbenennung des Hotels "Drei Mohren") haben wir folgenden Leserbrief an die AZ geschrieben. Eine ausführliche Stellungnahme zu dem Thema folgt in Kürze. Im Moment versuchen wir, all die Presseanfragen zu beantworten, die wir zu dem Thema bekommen. Da wir alle ehrenamtlich für Amnesty tätig sind, bitten wir um etwas Geduld.

Sehr geehrte Frau Prestle,

in Ihrem Kommentar greifen Sie den Standpunkt vieler Nutzer in den sozialen Medien auf, die in der überwiegenden Zahl die Frage stellen (ohne sich inhaltlich mit dem Appell der Amnesty-Jugendgruppe auseinanderzusetzen), ob es denn keine wichtigeren Themen gäbe. Natürlich gibt es diese. So setzen wir uns seit Jahren für die Freilassung von Nabeel Rajab ein, der inhaftiert ist, weil er von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hatte. Auch setzen wir uns für die Freilassung inhaftierter Journalisten in der Türkei ein, für die Wiedereröffnung des Nadeem-Zentrums für Folteropfer in Ägypten und für die Abschaffung der Todesstrafe in Ländern, in denen es sie noch gibt. Leider berichten Sie darüber so gut wie nie. Zu weit weg für die AZ? Fehlt Ihnen der Augsburg-Bezug? Doch selbst über unsere Aktionen in Augsburg berichtet die AZ nicht, obwohl wir sie regelmäßig einladen und mit Informationen versorgen. Über unsere Bootsaktion im Annahof am Weltflüchtlingstag, an der rund 100 Augsburger aus Solidarität mit Menschen auf der Flucht in ein Original-Flüchtlingsboot stiegen, war kein Wort in Ihrer Zeitung zu lesen. Warum?

Sollte es jetzt durch den Appell der Jugendgruppe gelungen sein, Ihre Aufmerksamkeit für unsere Arbeit zu wecken, würde uns das sehr freuen. Vielleicht möchten Sie ja mal über unsere Schulbesuche in Augsburg berichten, bei denen wir versuchen, Jugendliche für Menschenrechte zu sensibilisieren. Auch laden wir Sie herzlich ein, uns am 15. September bei der langen Nacht der Demokratie in der Stadtbücherei zu besuchen und sich über unsere weiteren Arbeitsschwerpunkte zu informieren.

Sie sehen: Themen gibt es genug. Auch wichtigere. Dennoch unterstützen wir den Appell der Jugendgruppe. Denn er regt eine Diskussion an, die angesichts des zunehmenden Alltagsrassismus wichtig und notwendig ist. Vielen Augsburgern war bisher der Ursprung des Hotelnamens sicher nicht bewusst, und insofern hat die jetzt angestoßene Diskussion auch dazu beigetragen, den Namen kritisch zu reflektieren. Wobei man natürlich auch zu Recht fragen könnte, warum - wenn der Name auf drei Mönche zurückgeht - das Hotel nicht "Drei Mönche" heißt.